• Hans Im Glück (Bertolt Brecht)

    Eine Produktion vom TON UND KIRSCHEN WANDERTHEATER, Glindow 2013

    Schon seit vielen Jahren spielt das Ton und Kirschen Theater mit dem Gedanken, eine Bühnenfassung von einem Märchen der Brüder Grimm zu machen. Wir dachten unter anderem an das Märchen „HANS IM GLÜCK“.
    Auf unserer letztjährigen Tournee in Frankreich begegneten wir einem Dramatiker, der uns mitteilte, dass dieses Märchen Bertolt Brecht als Vorlage für sein erstes Stück diente (von Ende 1919 bis Mitte 1920). Brecht war damals 21 Jahre alt. Diese Information regte uns an, auf die Suche seines Manuskripts zu gehen. Brecht brachte HANS IM GLÜCK nicht in eine endgültige Form und Szenenfolge und das Fragment war lange in den Archiven verschwunden.
    Nun konnten wir durch die Anregung in Frankreich auf seine Spuren kommen und sind von seinem Inhalt begeistert. Das Stück scheint, für uns geschrieben zu sein. Brecht übernahm von dem Märchen HANS IM GLÜCK die reigenartige Struktur, die Hans von einem Tausch zum andern führt. Von den ursprünglichen Tauschobjekten behielt er nur die Gans bei.
    Hans will in dieser Welt nicht vor allem Geld verdienen, sondern glücklich werden.
    Die Szenenfolge des Stückes ist wie ein vorgetragenes Lied über ein schreckliches und rührendes Ereignis des Leichterwerdens, bei dem Hans zum Schluss sein nacktes Leben hingibt.

    Brechts Fragment HANS IM GLÜCK gibt unserer Theatergruppe Anregung, mit all ihren künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten, ein poetisch beschwingtes Theaterstück zu entwickeln, das unter freiem Himmel oder in Sälen für ein vielschichtiges Publikum gespielt werden kann.

    Berthold Brecht schreibt als 22jähriger:
    „Mitunter überfällt es mich, dass meine Arbeiten vielleicht zu primitiv und altmodisch seien oder plump und zuwenig kühn. Ich suche herum nach neuen Formen und experimentiere mit meinem Gefühl wie die Jüngsten. Aber dann komme ich doch immer wieder drauf, daß das Wesen der Kunst Einfachheit, Größe und Empfindung ist und das Wesen ihrer Form Kühle.“

    INSZENIERUNG:
    Margarete Biereye und David Johnston

    DARSTELLER:
    Margarete Biereye: Karussellweib, Magd
    Regis Gergouin: Chor
    Richard Henschel: Der Herr Feili, Bursche
    David Johnston: Der Freund
    Rob Wyn Jones: Hans
    Nelson Leon: Marionettenspieler, Bursche
    Daisy Watkiss: Marionettenspielerin
    Polina Borissova: Hanne, Mädchen

    BÜHNENBILD UND LICHT:
    Daisy Watkiss

    KONSTRUKTIONEN:
    Regis Gergouin
    Nelson Leon
    Daisy Watkiss

    MARIONETTEN:
    Nelson Leon
    Daisy Watkiss

    KOMPOSITIONEN:
    David Johnston

    GASTSPIELMANAGEMENT:
    Catherine Launay

    Das Ton und Kirschen Theater bedankt sich für die Förderung beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und beim Kulturamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

    Pressestimmen:
    Potsdamer Neueste Nachrichten, Kultour, „Sind alle schlecht, so will er gut sein“, 07.08.2013, von Gerold Paul

    „(…)Bertolt Brecht adaptierte diese Geschichte um 1920 auf seine eigene Weise, das Glindower Wandertheater „Ton & Kirschen“ schuf daraus ein neunzigminütiges Bühnenspektakel, das am Freitag in Templin zur Premiere kam. Die Folgeaufführung am Sonntag open-air an der Regatta-Strecke in Werder zog Besucher gleich scharenweise an. Margarete Biereye und David Johnston hatten ja, ganz im Sinne von Brecht, ein für Aug und Ohr und sonstige Sinne gleichermaßen attraktives Kunstwerk erschaffen, klar, erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!(….)
    (….)„Ton und Kirschen“ inszenierte das Brechtsche Fragment als lakonisch-alertes Melodram mit viel Musik und mancherlei Sensationen, die bis zum szenisch gestalteten Bühnenumbau reichen, aber solche Extras sind ja längst ein Markenzeichen der internationalen Truppe. Wer nicht direkt am Stationenspiel beteiligt war, trug als Bühnenarbeiter historische Armee-Uniform. Die Darsteller selbst übernahmen verschiedene Rollen, als Schnurrhähne, Nepper oder Hansen-Täuscher, Ganoven allesamt. (….)
    (….)Eine große Parabel über Geben und Nehmen, Sein oder Haben – im Geiste rechtisch, in der Spielweise heiter, im Ausdruck stark, in der Aussage gelegentlich weise – was will man mehr beim Open-Air der Marke „Ton & Kirschen!“

    Potsdamer Neueste Nachrichten, Kultur in Potsdam, 06.05.2013, von Asrid Priebs-
    Tröger ‚Lange Nacht der freien Theater, Tierisch rund‘:

    (…) Dabei haben die meisten Besucher sicher die internationale Wandertheatertruppe „Ton und Kirschen“ auf dem Plan. Die multikulturelle Truppe um Margarete Biereye und David Johnston machte am Samstagabend ihrem Ruf wiederum alle Ehre. Der oft als trist verschriene Schirrhof verwandelte sich im Nu in einen Platz voller poetischer Jahrmarktsatmosphäre.
    Vier Männer setzten einen Pfahl ins Pflaster, von dessen Spitze vier Lichterketten ausgingen und fertig war die Illusion von Zirkus. Mittels einer riesigen eisernen zweirädrigen Achse wurde dann noch ein Karussell simuliert und die von der Glindower Gruppe ausgegrabene frühe Brecht-Geschichte „Hans im Glück“ nahm ihren Lauf. Und obwohl die Truppe erst wenige Wochen daran probt, hatte man das Gefühl, schon mitten in einer melancholischverrückten Geschichte angekommen zu sein. Dazu trug die situationsmalend eingesetzte Musik – von Klezmer, über Flamenco bis hin zum Rock ’n’ Roll – bei und die Präsenz der wunderbaren Schauspieler, allen voran Margarete Biereye und Rob Wyn Jones, bei, denen diese Geschichte über Gewinn und Verlust auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Sie kommt Anfang August in Templin zur Premiere. (…)