Corona und Ton und Kirschen

Alles hat dicht gemacht. Wie lange wird das wohl so bleiben? Wir können nicht mehr gemeinsam proben, geschweige denn in einem Raum zusammenkommen. Im Moment sind wir einzeln verstreut und warten darauf, dass sich die dunklen Wolken wieder verziehen. Wie alle anderen telefonieren wir miteinander und versuchen, uns gegenseitig Mut zu machen. Aber Theater ist ein physischer Prozess und kann ohne körperlichen Kontakt nicht auskommen. Wie soll es also weitergehen?

Im April wollten wir eigentlich proben und die Produktion von “Die Legende vom heiligen Trinker“ nach Joseph Roth vorbereiten. An der Dramaturgie und der Musik für diese Aufführung haben wir bereits gearbeitet; mit den Vorbereitungen für die anschließende Tour sind wir aktuell noch beschäftigt.

Wie geht es nun weiter für uns?

Wir tun unser Bestes. Wir reden miteinander und bereiten alles vor. Und sobald die Kontaktsperre aufgehoben wird, trifft sich das Ensemble wieder in Glindow.

Que sera sera!

Corona and Ton und Kirschen.

Everything is shut. How long for? We cannot even rehearse together or meet in the same room. Right now we are spread out waiting for the cloud to lift, communicating by phone, encouraging each other. The same as everybody. But theatre creation is a physical process that demands contact. How can we carry on?

Our plan for April was to rehearse and prepare a production of “Die Legende vom heiligen Trinker” nach Joseph Roth. We have already been working on the dramaturgy and music for this performance and the organisation for the subsequent tour has been carrying on.

How can we continue?

We are doing the best we can. We talk and prepare. But at a distance, and as soon as the quarantine is lifted, the ensemble will come together again in Glindow.

Que sera sera!

HAPPY NEW YEAR!
Nun ist die Winterpause für Ton und Kirschen.

Wir freuen uns auf die neue Saison, und wir wären glücklich Sie wieder begrüßen zu können!
Wir freuen uns, die Premiere von "Die Legende vom heiligen Trinker" von Joseph Roth im August 2020 anzukündigen. Wir werden demnächst mehr Informationen zu diesem neuen Stück und die Daten senden.
Das Stück "Die Bergwerke zu Falun" von E.T.A Hoffmann wird auch nochmal in diesem Jahr zu sehen sein.
Viele schöne Grüße und bis bald, Ton und Kirschen Theater

DIE LEGENDE VOM HEILIGEN TRINKER, Joseph Roth

Öffentliche Probe: 19.06.2020, 20:00 Uhr, Jahnufer, Glindow
Premiere: 14.08.2020, Lenzen

Joseph Roth wurde am 2. September 1894 geboren. Seine Mutter war Jüdin. Seinen Vater lernte er nie kennen. Roth war der ewig Rastlose und Heimatlose. Er kam aus der hintersten Ecke des k.u.k. Reiches, aus Brody in Ostgalizien, am Rand eines Vielvölkerreiches, um das er zeitlebens trauerte. Er studierte in Wien, schrieb vorerst Gedichte und später auch Romane ( u.a. , < Radetzkymarsch>). Er wurde zu einem der bestbezahlten Journalisten seiner Zeit. Nach Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verließ Joseph Roth, wie viele andere verfemte Autoren, Deutschland und ging nach Paris ins Exil. Er, der staatenlos Gewordene schrieb « Jetzt habe er nur noch eine Heimat: die deutsche Sprache ».

Er schrieb in Cafés. Er schrieb jeden Tag bis Sonnenuntergang und bis in die letzten Tage seines Lebens und trank bis zu seinem Tod.

Joseph Roth liebte vor allem den einfachen Menschen und wusste die Poesie im Alltäglichen aufzuspüren.

« Wie Roth gern in seinen Berichten erzählt hat, so hat er in seinen Erzählungen am liebsten berichtet: Er war hier wie da ein großer Mitteiler. Nicht die Poesie hat er verpönt, sondern die als poetisch geltenden Ausdrucksmittel. Und je lyrischer die Motive seiner Prosa – etwa in >der Legende vom heiligen Trinker>, die wirklich eine Legende ist und eine der schönsten, die in diesem Jahrhundert gedichtet wurde -, desto sachlicher und präziser die Darstellung. » (Marcel Reich- Ranicki)

DIE LEGENDE VOM HEILIGEN TRINKER schieb Joseph Roth im Frühjahr 1939. Er starb am 27. Mai desselben Jahres. Es war seine letzte Erzählung, eine Wundergeschichte, eine melancholische und versöhnliche Legende, die er als sein Testament bezeichnete.

Andreas, ein Pariser Clochard ist ein Trinker. Er erhält von einem vornehmen Herrn zweihundert Francs, die eigentlich der heiligen Therese von Lisieux gestiftet werden sollen, sobald es ihm besser gehe. Und das Leben meint es wirklich wieder gut mit Andreas. Nun wird er wie versprochen das Geld zurückgeben. Ganz bald, gleich nach dem nächsten Pernod.

Nach 28. Jahren unserer Existenz als Theatergruppe Ton und Kirschen entschieden wir uns für diesen Stoff von Joseph Roth, noch heute einer unserer Lieblingsdichter, um ihn für die Bühne zu bearbeiten. Das Thema ist von äußerster Aktualität.

Zuletzt aktualisiert: 26.05.2020